Humanitäre Schule mit humanistischen Werten
Cusanus-Gymnasium St. Wendel gibt sich ein Leitbild und zeichnet verdiente Schüler aus
von Silke Dorscheid

St. Wendel. Verborgen hinter braunem Packpapier hing sie schon seit Wochen neben der Tür zum Sekretariat des Cusanus-Gymnasiums und bot so manchem Vorbeigehenden Anlass zur Spekulation - die Schautafel mit dem neuen Schulleitbild. Im Rahmen des ersten Cusanus-Tages wurde sie nun feierlich enthüllt.
"Mit der Enthüllung des Leitbildes vollzieht das Cusanus-Gymnasium einen wichtigen Schritt zur Festigung und Stärkung des eigenen unverwechselbaren Profils", so Landtagspräsident Hans Ley, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte. Im Ergebnis werde es so sein, "dass ein junger Mensch, der von dem Leitbild geprägt die Schule verlässt, dies nicht nur mit dem Abiturzeugnis in der Hand tut, sondern mit festen Wertvorstellungen im Herzen und im Verstand". Voraussetzung dafür sei allerdings, dass das Leitbild nicht verstaube, sondern dass alle an der Schulgemeinschaft Beteiligten es künftig als ihre Aufgabe betrachten, das Leitbild im Alltag umzusetzen. Der nunmehr jährlich stattfindende Cusanus-Tag solle daher immer wieder "zum Einhalten auffordern und zur Selbstkontrolle, inwieweit wir unser Leitbild eingehalten haben", so Studiendirektor Bernhard Planz, der zusammen mit Hans Ley die Tafel in der Aula enthüllte.
Bereits 1974 wurde das ehemalige Mädchenrealgymnasium in Cusanus-Gymnasium umbenannt und somit erfüllte sich mehr als fünfhundert Jahre nach dessen Tod ein Ansinnen des Namenspatrons Nikolaus von Kues, wie Dr. Sylvie Tritz in ihrer Festrede darlegte. Denn der Humanist und Universalgelehrte, der von 1443 bis 1464 als Kommendaturpfarrer in St. Wendel wirkte, gründete im 15. Jahrhundert eine Schulstiftung im niederländischen Deventer und ermöglichte so 20 Stipendiaten aus verschiedenen Orten für sieben Jahre den Schulbesuch. Darunter, das war Bedingung, musste jeweils auch ein junger Mann aus St. Wendel sein. "Mit diesem Trick", so die Festrednerin, "wollte sich Nikolaus von Kues ein Andenken an seinen zahlreichen Wirkungsorten sichern."
Im Rahmen der Feierstunde am Cusanus-Gymnasium wurden zudem zahlreiche Schüler für ihren schulischen Erfolg als Klassenstufenbeste beziehungsweise für ihren Sieg bei diversen Schülerwettbewerben mit der Cusanus-Medaille ausgezeichnet. Außerdem erhielten zwei Schüler den Cusanus-Preis, der künftig jedes Jahr an eine verdiente Persönlichkeit verliehen wird, die die Schulgemeinschaft verlässt. In diesem Jahr durften sich Oliver Strack und Sandra Henkel über diese Auszeichnung freuen.
von links nach rechts: Schulleiter Peter Reichert, Preisträger Sandra Henkel und Oliver Strack, Laudator Thomas Loch und 1. Vorsitzender des Schulvereines Helmut Rauber.
 
Den Leitsatz John F. Kennedys "Frage nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern was du für den Staat tun kannst", hätten die beiden auf die Schule übertragen. Für beide sei Schule mehr als die Jagd nach Notenpunkten und so hätten sie auf dem Weg zum angestrebten Abschluss zu Gunsten der Gemeinschaft die eigenen Interessen häufig hintangestellt. "Solche Schüler sind ein Geschenk!", schloss Studienrat Thomas Loch seine Laudatio. Auch am Cusanus-Tag zeigte sich, dass die Preisträger die Auszeichnung verdient haben. Denn Oliver Strack, der das Cusanus-Gymnasium bereits letzen Sommer mit dem Abitur verlassen und eine Ausbildung begonnen hat, musiziert noch immer in der Schulbigband "Urknällchen", die den Abend unter der Leitung von Ernst Urmetzer musikalisch umrahmte. Und Sandra Henkel überreichte im Namen der Arbeitsgemeinschaft "Misheni Moyo", zu deren Gründungsmitgliedern beide Preisträger gehören, einen Scheck in Höhe von 4.500 € an Pfarrer Gerhard Köpke. Das Geld soll in ein Hilfsprojekt im brasilianischen Novo Hamburgo fließen. "Wir von Misheni Moyo wollen die Welt verändern. Oder zumindest einen kleinen Teil", relativierte Sandra Henkel, "Dazu soll der Scheck beitragen." Aufgrund dieses Engagements darf sich das Cusanus-Gymnasium St. Wendel seit 2008 "Humanitäre Schule" nennen.

 

 

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